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10-24-1945: Ein Tag in den Rüben

Am 24.0ktober 1945 war ich mit einem kleinen Arbeitskommando von Kriegsgefangenen mit der Ernte von Zuckerrüben beschäftigt. Von bewaffneten Wachsoldaten begleitet, waren wir bei Tagesanbruch in einem Armeelastwagen aus dem Gefangenenlager Trinidad (Colorado) in den Nachbarstaat Kansas geschafft und bei einem Farmer indianischer Herkunft ausgeladen worden. Der Bauer zahlte der US Army zehn Cents je Arbeitsstunde pro Kopf. Unsere Verpflegung bis zur Heimkehr am späten Abend war Sache des Farmers. Seine Frau teilte mittags eine warme Suppe aus. Vor der Rückkehr ins Lager gab es Milch und Wurstbrote. Von der Gründung der Vereinten Nationen habe ich erst am darauffolgenden arbeitsfreien Wochenende erfahren, als wir Zeit und Muße hatten, die inzwischen im Lager eingegangenen Ausgaben der ›Denver Post‹ und der ›New York Times‹ zu lesen. Wir haben die Charta, von der ›New York Times‹ im Wortlaut abgedruckt, in unserer Offiziersbaracke diskutiert: der österreichische Kunstmaler Professor Dimai, der spätere Inter-Nationes-Mitarbeiter Heinrich Geissler, der künftige Pressereferent der deutschen UN-Vertretung in Genf, Carl von Mutius, der spätere Bundestagsabgeordnete Rudolf Werner und viele andere.

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