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Die abendländische Perspektive - Maßstab oder Variante der Weltgeschichte

›Die eben erst emanzipierten Völker bilden heute nicht nur die Mehrheit der internationalen Gemeinschaft, sie fordern auch den ihnen zustehenden Platz und wünschen als gleichberechtigt behandelt zu werden. Mehr und mehr wird ihnen der ›West-Zentrismus‹ unerträglich, der in ihren Augen Unverständnis und Vorurteile hervorruft.‹ So Kurt Waldheim. Nach Beispielen für die unreflektierte Anwendung westlicher Kategorien braucht man nicht lange zu suchen: erinnert sei nur an die angebliche Rückkehr ins ›Mittelalter‹ (schon dies ein okzidentaler Begriff), die weithin als das greifbare Ergebnis der iranischen Revolution ausgemacht wurde. Bessere Kenntnis ›außereuropäischer‹ Gesellschaften hätte es vielleicht ermöglicht, die dortige Rückbesinnung auf die (ohne Zweifel bedrohte) eigene, eigenständige Kultur angemessener zu beurteilen; ein derart fundiertes Urteil müsste deswegen noch nicht unkritisch sein oder gar die Billigung neuerlicher Menschenrechtsverletzungen beinhalten. Die politische Unabhängigkeit haben die ›nicht-westlichen‹ Völker mittlerweile weitgehend erreicht; das Streben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit ist, wie der Beitrag Karl P. Sauvants in diesem Heft aufzeigt, zu einem Hauptanliegen der Mehrheit der Staaten in der Weltorganisation geworden; das wachsende Selbstbewusstsein auch im kulturellen Bereich, die Kritik etwa an der Beherrschung des Weltmeinungsmarktes durch wenige Agenturen und generell an den Medien des ›Nordens‹, ist mittlerweile ebenfalls auf die internationale Tagesordnung gelangt.

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