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Angeschlagene Jubilarin Die Weltorganisation an ihrem Fünfzigsten

Auf die Frage, warum er sich entschlossen habe, das Gipfeltreffen anläßlich des fünfzigjährigen Bestehens der Vereinten Nationen zu boykottieren, versetzte der für seinen Freimut bekannte malaysische Ministerpräsident Mahathir bin Mohamad, daß er keine Rechtfertigung dafür finden könne, eine Institution zu glorifizieren, deren Fehlschläge in Bosnien, Somalia und Rwanda unverzeihliche Sünden seien. Die UN würden nicht nur in zunehmendem Maße von den Großmächten manipuliert, sondern hätten angesichts ihres katastrophalen Versagens bei der Friedenssicherung und ihrer Unfähigkeit, die wachsenden Probleme von Armut und Verschuldung der Dritten Welt zu lösen, wenig Grund zum Feiern, so Mahathir. Unter Hinweis darauf, daß auf dem Gipfel jedem Staatenvertreter nur fünf Minuten Redezeit zustanden, sagte er: »In fünf Minuten kann man doch allenfalls sagen, daß alles zum besten steht, und ich bin gar nicht gut darin, die Dinge zu beschönigen«. In der Generaldebatte der 50. Ordentlichen Tagung, die dem Gipfel voranging, kritisierte Mahathir die Ausgabe von Millionen von Dollar für UN-Galaveranstaltungen, während »wir noch nicht einmal eine Antwort auf die grundlegenden Fragen haben, wo die Vereinten Nationen stehen und was sie eigentlich sind: Prügelknabe oder emstzunehmender, standfester Akteur? ... Trotz früherer Hoffnungen auf eine gerechte Weltordnung, die das Ende des Kalten Krieges erweckt hatte, haben wir es immer noch mit einer Weltorganisation zu tun, die in völliger Mißachtung der bei ihrer Gründung gelobten hehren Grundsätze und Ziele nach der Katzenmusik der Großmächte tanzt.«

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