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Stimmen zu 80 Jahre UN Vertrauen als Schlüssel

Maya Ungar ist UN-Analystin bei der International Crisis Group (ICG) in New York.

Die zweite US-Präsidentschaft unter Donald Trump gilt als schwer kalkulierbar. Eines jedoch scheint sicher: Die UN werden von den USA nicht als strategische Priorität, sondern vielmehr als Belastung wahrgenommen. Dies äußert sich in einem markanten politischen und finanziellen Rückzug aus zentralen Bereichen der Organisation.

Auch wenn ein vollständiger Rückzug der USA aus der Weltorganisation unwahrscheinlich ist, lässt sich eine strukturelle Entfremdung feststellen. Die USA, historisch maßgeblich an der Gründung und dem Aufbau der Vereinten Nationen beteiligt, zeigen heute weniger Bereitschaft zu einem langfristigen Engagement. Als größter Beitragszahler bedeutet dies eine ernsthafte finanzielle Belastung für ein System, das sich ohnehin in einer prekären Lage befindet.

Der im März dieses Jahres vorgestellte Reformvorschlag des UN-Generalsekretärs unter dem Titel ›UN80‹ soll dieser Krise begegnen. Vorgesehen sind Maßnahmen zur Straffung der Organisation, darunter Einsparungen bei Personal- und Standortkosten, eine Überprüfung der Umsetzung bestehender Mandate sowie strukturelle Anpassungen. Dabei geht es nicht nur um Effizienzsteigerung, sondern um eine grundlegende Frage: Welche Rolle sollen reformierte UN in der gegenwärtigen internationalen Ordnung einnehmen?
Ob dies zu einer Organisation führt, die sich stärker an den Interessen der USA orientiert, oder ob es zu einer weiteren Entfremdung von einem ihrer einflussreichsten Mitgliedstaaten kommt, bleibt abzuwarten. Doch eines gilt – auch acht Jahrzehnte nach der Gründung der Vereinten Nationen – unverändert: Ihre Legitimität beruht auf dem Vertrauen und dem Engagement ihrer Mitgliedstaaten. Dieses Vertrauen wiederherzustellen, ist entscheidend für das Fortbestehen der Organisation.