Vom 22. bis 24. Oktober 1995 versammelten sich mehr als 150 Staats- und Regierungschefs, stellvertretend für die große Mehrheit der UN-Mitgliedstaaten, in New York, um den fünfzigsten Geburtstag der Weltorganisation feierlich zu begehen. In den drei Tagen der Sondergedenksitzung der Generalversammlung kam jeder von ihnen für fünf Minuten zu Wort übrigens eine bemerkenswerte, sonst in UN-Veranstaltungen nicht übliche Selbstdisziplinierung, und alle stimmten darin überein, daß die Vereinten Nationen in den ersten fünf Jahrzehnten ihres Bestehens Nützliches geleistet haben und in der Zukunft eine noch wichtigere Rolle in der Weltpolitik werden einnehmen müssen.
Fast alle Redebeiträge enthielten auch den Ruf nach Reformen: die Weltorganisation müsse effizienter werden, sich besser auf künftige Herausforderungen einstellen, ihre Prioritäten überdenken, kostenbewußter arbeiten. Eine genauere Analyse der einzelnen Ansprachen zeigt allerdings, daß nur wenige konkrete Aussagen darüber gemacht wurden, was denn eigentlich reformiert werden müsse und wie dabei vorzugehen sei. Die am Schluß der Festsitzung angenommene feierliche Erklärung (Text: VN 1/1996 S. 34ff.) sagt lediglich, die Organisation bedürfe der »Reform und Modernisierung« und die Verwaltung müsse mit den ihr zugeteilten Mitteln »wesentlich effizienter und effektiver« umgehen.