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Die Zeit ist reif

Jan Beagle aus Neuseeland ist Untergeneralsekretärin für Managementstrategie, Politik und Regeleinhaltung der Vereinten Nationen. Sie betont, dass sich die UN die Beseitigung sexueller Belästigung am Arbeitsplatz auf die Fahnen geschrieben haben, es aber dennoch Handlungsbedarf gibt.

Demonstration für Geschlechtergleichheit und Frauenrechte anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März in New York. (UN Photo/Devra Berkowitz)
Demonstration für Geschlechtergleichheit und Frauenrechte anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März in New York. (UN Photo/Devra Berkowitz)

Wir befinden uns inmitten eines großen kulturellen Wandels in der Frage um sexuelles Fehlverhalten. Unter anderem ist dies auf die ›#MeToo‹-Bewegung zurückzuführen, die vor einem Jahrzehnt ins Leben gerufen wurde, in mehr als 85 Staaten der Welt viral geworden ist und sich mit Opfern sexueller Belästigung solidarisiert. Frauen und Männer auf der ganzen Welt haben ihr Schweigen gebrochen, um ein Ende von sexueller Belästigung zu fordern.

Auch innerhalb der Vereinten Nationen prüfen wir unsere Organisationskultur. Wir sind fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass die UN einen sicheren, integrativen und gerechten Arbeitsplatz bieten, an dem sexuelle Belästigung nicht toleriert wird. Dies ist eine der wichtigsten Prioritäten des UN-Generalsekretärs António Guterres. Mit hohem und zielgerichtetem Engagement machen wir Fortschritte.

Die im November 2018 durchgeführte Umfrage über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz unter 31 UN-Organisationen und verwandten Einrichtungen zeigte, dass es noch viel zu tun gibt, um die Null-Toleranz-Politik für alle Bediensteten der Vereinten Nationen umzusetzen. Während über 70 Prozent der Personen angaben, dass Null-Toleranz gegenüber sexueller Belästigung der Normalfall an ihren Arbeitsplätzen ist, berichtete immer noch ein Drittel von erfahrener oder beobachteter sexueller Belästigung in den letzten zwei Jahren. Diese Daten sind eine wesentliche Grundlage für weitere substanzielle Maßnahmen zur Beseitigung sexueller Belästigung.

Wir wissen, dass eine wirksame Politik gegen sexuelle Belästigung von grundlegender Bedeutung ist, um die Opfer zu unterstützen und die Personen, die derartige Taten begehen, zur Verantwortung zu ziehen. Im Jahr 2017 richtete der Ko-ordinierungsrat der Leiterinnen und Leiter der Organisationen des Systems der Vereinten Nationen (Chief Executives Board for Coordination – CEB) eine Arbeitsgruppe zur Bekämpfung sexueller Belästigung innerhalb des UN-Systems ein. Eines der ersten Ergebnisse war eine Modellrichtlinie gegen sexuelle Belästigung. Alle Organisationen des UN-Systems arbeiten derzeit daran, ihre Richtlinien an bewährte Praktiken anzupassen. Sobald diese Richtlinien vollständig umgesetzt sind und durch systemweite Trainingsinitiativen unterstützt werden, werden wir ihre Wirksamkeit in der Praxis überwachen und bewerten.

Die Existenz von Richtlinien reicht jedoch nicht aus, um sexuelle Belästigung zu beseitigen, wenn die Organisations-kultur noch immer von Angst und mangelndem Vertrauen geprägt ist. Die jüngste Umfrage innerhalb des UN-Systems bestätigte, dass Opfer weiterhin zögerten, sexuelle Belästigung zu melden, aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen und aufgrund mangelnden Vertrauens, dass die entsprechenden Personen zur Verantwortung gezogen werden. Die Umfrage zeigte auch die lähmende Wirkung eines solchen Machtmissbrauchs auf die Moral der Bediensteten und ihre Arbeitsleistung. Und sie offenbarte einen klaren Zusammenhang zwischen einem Arbeitsort, der Unhöflichkeit toleriert, und der Häufigkeit sexueller Belästigung.

Wir sind überzeugt, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der sexuellen Belästigung als Teil dieser breiteren Organisationskultur in die entsprechenden Reformen der Organisationskultur integriert werden müssen – einschließlich Geschlechterparität, Schutz von Informantinnen und Informanten und eines zivilisierten Umgangs am Arbeitsplatz. Mit einer klaren Führung, der Unterstützung durch die UN-Mitgliedstaaten, zum Beispiel die Freundesgruppe zur Beseitigung sexueller Belästigung, und einer breiten Zusammenarbeit der Bediensteten engagieren wir uns dafür, dass die Null-Toleranz innerhalb der UN Realität wird und dass wir eine globale Bewegung unterstützen, die sich dafür einsetzt, dass sexuelle Belästigung bald der Vergangenheit angehört.

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