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Das Pariser Vietnam-Abkommen - ein verfehlter Friede?

Vielleicht ist der internationale Vietnam-Krieg beendet. Sicher ist das nicht. Das Pariser Abkommen enthält viele Unklarheiten, und außerdem sitzt auch hier der Teufel im Detail, nämlich in der Ausführung der Bestimmungen in Vietnam selbst. Es ist kaum denkbar, dass die USA Südvietnam fallen lassen und sich ganz und gar aus ihm zurückziehen. Nach eigenen Angaben haben sie dort rund 8500 zivile Berater belassen. Sie werden das Regime Thieu unterstützen. Die USA werden vielleicht keine Bodentruppen mehr einsetzen, aber mit der Wiederaufnahme der Bombardierungen, wie sie noch in Kambodscha in unverminderter Heftigkeit weitergehen, wird gedroht. Nordvietnam und die Provisorische Revolutionsregierung in Südvietnam (GPR) werden ihrerseits nicht von dem Ziel, für das sie 30 Jahre gekämpft haben, ablassen: sie werden die Wiedervereinigung des Landes zu erreichen suchen. Nach dem Pariser Abkommen ist ihnen das auf friedlichem Wege erlaubt. Was aber, wenn dieser friedliche Weg nicht zum Ziel führt? Die innervietnamesische Auseinandersetzung geht weiter. Die entscheidende Frage ist, was werden die USA tun oder nicht tun, wenn sich zeigt, dass sich die Waage zugunsten der GPR, und das bedeutet zugunsten auch Nordvietnams und der Wiedervereinigung des Landes unter kommunistischen Vorzeichen, neigt? Wird der Präsident Nixon von 1973 trotz oder aufgrund fast 20jähriger Erfahrungen noch die gleiche Meinung haben wie der Vizepräsident Nixon vom 16. April 1954, der erklärte, die USA könnten keinen weiteren Rückzug aus Asien hinnehmen? Der Vizepräsident erklärte auch, sollten die USA keine Alternative haben, müssten sie auch Truppen zum Einsatz bringen; die USA müssten den Schutz Asiens garantieren. Es war die Zeit vor der Genfer Indochina-Konferenz. Das damalige Ergebnis zielte auf freie Wahlen, formell wurden sie von den USA gewünscht oder hingenommen, praktisch wegen des damals zu erwartenden nordvietnamesischen Wahlsieges hintertrieben. Die Situation ist heute so offen wie seiner Zeit, und man fragt sich, was für die USA mit 46 000 Toten, einigen hunderttausend Verwundeten, einer gespaltenen Nation, einer schlechten Zahlungsbilanz und einem weltweit anrollenden Antiamerikanismus nun Positives herausgekommen ist, von der Gegenseite zu schweigen. - Der nachstehende Beitrag untersucht diese Frage. Der Autor vergleicht die Genfer Vereinbarungen von 1954 mit dem Pariser Abkommen von 1973. (S. auch die Beiträge des Verfassers ›Der Krieg in Vietnam — Nationalismus? Kommunismus? Imperialismus?‹ (3/68), ›Die Genfer Konferenz 1954 und die amerikanische Ostasienpolitik‹(4/68), ›Die Frage der Wahlen zur Wiederherstellung der Einheit Vietnams‹ (5/68) sowie seine Untersuchung ›Der Vietnam-Konflikt — Bellum legale?‹, 1970).

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